Credibil

♜ Credibil
präsentiert von Melt! Booking, HUSH HUSH, rap.de, splash! Mag & JUICE Magazin

► DO || 07.03. || Doors: 19h || YUCA, Köln

Tickets gibt’s ab sofort für 17,00€ zzgl. Gebühren in unserem ticket.io-Shop (bit.ly/credibil_yuca_tio) und bei allen bekannten VVK-Stellen, wie z.B. tixforgigs oder KölnTicket/ Eventim.

Credibil besitzt das, was hierzulande nur wenige Rapper innehaben: ein fortdauerndes Ansehen im bundesdeutschen Feuilleton. Seit die Frankfurter Allgemeine Zeitung ihn als »Rapper, der die deutschen Klassiker liest« hervorhob und der Bayerische Rundfunk ihn gar als Kandidat, der »an der glatten Oberfläche der deutschen Integrationsbambi-Idylle kratzt« betitelte, ist an diesem Status kaum zu rütteln. Credibil selbst wird, obgleich er kein Freund primitiver Selbstinszenierung ist, an seinem Neuzeit-Philosophen-Status nichts ändern können: Seine ergreifende Poesie samt schillernder Aura, sein mit einer unverwechselbaren Sprachmelodie gepaartes Stimmgewicht und seine kluge, stets bestimmte Bescheidenheit machen ihn, und für diese Einsicht muss man kein Experte sein, zu einem Sonderfall. Credibil wirkt, so unaufdringlich er sein öffentliches Auftreten auch gestalten mag, wie ein Magnet, der die Menschen generationen- und schichtenübergreifend an sich fesselt.

Erol Peker kommt am 5. März 1994 als zweiter Sohn kurdisch-türkischstämmiger Eltern in Marburg zur Welt, verbringt seine Kindheit in der berühmt-berüchtigten Arbeitersiedlung am »Richtsberg«. Kurz nach seinem vierzehnten Geburtstag verschlägt es ihn und seine Mutter nach der Trennung von seinem Vater gen Frankfurt am Main, der Stadt, zu der er schon bald eine intensive Hassliebe entwickeln wird. Dass Erol das Gangster-Leben in seinen Texten niemals romantisieren würde, hängt nicht allein mit seiner für sein Alter enorm ausgeprägten und für deutsche Straßenrapper untypisch eklatanten Weitsicht zusammen. Zu viel hat er in zu jungen Jahren gesehen, um sich der Naivität hinzugeben, ein hollywoodreifes Bild vom tristen Alltag zwischen Schwarzgeld-Cafés, aufdringlich blinkenden Bordell-Gebäuden und Spielhallen in astronomischer Größe zu zeichnen. Sein Stiefvater, der 2008 mit dem Umzug in die Main-Metropole in sein jugendliches Leben platzt, wird im nächtlichen Schlagschatten des Frankfurter Bahnhofsviertels gleich zwei mal auf offener Straße angeschossen, während sich der mittlerweile Sechzehnjährige sein schmales Taschengeld ein paar Straßenzüge weiter beim Felgen-Putzen verdient. Kein Wunder also, dass der Fokus der Geschichten, die Erols Musik durchziehen, auf den Schattenseiten der Unterwelt liegen. Und verständlich, dass er, wenn er die Wahl hätte, »lieber auf einem Bauernhof« leben würde, als inmitten der Bankenstadt.

Erol verbringt viel Zeit in der kleinen Wohnung über dem mütterlichen Friseursalon, in der er sich ein Zimmer mit seinem Bruder teilt. Als die ersten Musikvideos von Bushido, Azad und Kool Savas im Nachmittagsprogramm deutscher Musikfernsehsender rotieren, ist er begeistert: Alle drei erzählen Storys, die auch er im Alltag erlebt, sehen ihm zudem ähnlich. Letztendlich sind sie es, die ihn dazu ermutigen, sich selbst der Dichtung hinzugeben, seine Gedanken in Reimstruktur transparent zu machen. Stück für Stück erfindet sich Erol in der Kunstfigur Credibil neu, die auf der einen Seite zwar seine Familien- und Nachbarschaftsgeschichten erzählt, andererseits aber keine der typisch menschlichen Macken aufweist, die er von sich selbst kennt. Von Beginn an beschäftigt er sich in diesem Rahmen im grüblerischen Stil mit großteils schweren und sensiblen Themenkomplexen, verarbeitet Beobachtungen messerscharf in düsterer Poesie und stellt sich dem Wagnis, komplexe Gedankengänge allgemein verständlich aufzubereiten.

Ein paar Jahre lang agiert er im Verborgenen, wagt erst im Oktober 2012 den alles entscheidenden Schritt, mit »Mensch« seine ersten Acappella-Verses ins Internet zu stellen. Spätestens als er einige Monate darauf mit »Ehrlich gesagt« sein Debüt-Tape publik macht, erhält er begeistertes Feedback aus renommierten Kreisen und kann seine Videos bald auf den florierenden Social-Media-Kanälen von Szene-Größen wie Celo & Abdi, Kool Savas oder Mikis Fontagnier, mit dem er von nun an gemeinsam an seinen Visionen schraubt, verorten. In logischer Konsequenz zollt er 2013 den Lehrern seines Faches Tribut, veröffentlicht »Deutsches Demotape«. Auf den musikalischen Gerüsten seiner früheren Kindheitsidole platziert er hier seine eigenen Texte, interpretiert Klassiker neu und erntet üppigen Applaus aus der Szene. 2014 entsteht mit »Molokopf« eine EP, die im Folgejahr erscheint. Spätestens jetzt hat ihn auch das Feuilleton großer Qualitätsmedien auf dem Zettel, ist begeistert vom jungen Frankfurter und erkennt in Credibil den lange vermisst geglaubten »Ghetto-Poeten«. Mit »Renæssance« erscheint wenig später sein Debütalbum, das von iTunes zum »Rapalbum des Jahres 2015« gekürt und auf der »Ærsten Tour« im Mai 2016 bundesweit gefeiert wird.

Obwohl Erol die Resonanz zu neuen Projekten motiviert, macht er sich vorerst für eine Weile rar und legt den Fokus, ganz seinem perfektionistischen Naturell entsprechend, auf gehaltvollen neuen Output. Im Mai 2018 erscheint über den WDR sein Hörspiel »Nie wieder Bahnhof«, während parallel dazu und in enger Zusammenarbeit mit der Frankfurter Rap-Ikone Moses Pelham neue Musik aufkeimt. Für Dezember 2018 steht nun das sehnsüchtig erwartete zweite Album an, »Semikolon«. Allein der Titel soll verdeutlichen, dass »Renæssance« nur der erste Teil der Geschichte war, die auch mit der neuen Platte, die einen noch ungeahnten Teil seines Mindstates offenlegen wird, nicht abgeschlossen sein wird. Mal sehen, was der deutsche Kulturjournalismus dazu sagt.

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Donnerstag
07.03.19

Einlass: 19:00 Uhr


Venue: YUCA